Erschöpfung in den Chefetagen
Rund ein Drittel leidet unter Dauererschöpfung, fast die Hälfte unter emotionaler Erschöpfung. Was wie eine Diagnose aus dem Klinikalltag klingt, ist Realität in deutschen Führungsetagen. Laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group von 2024 berichten 48 % der Arbeitnehmenden in Deutschland – darunter zahlreiche Führungskräfte – von mentaler Erschöpfung, Leistungsabfall und zunehmender Reizbarkeit.
Burnout ist längst kein Ausnahmefall mehr. Es ist Ausdruck eines Systems, das Menschen durch ständige Erreichbarkeit, Perfektionsdruck und Rollenidentifikation verschleißt.
Kraft zeigen nach veralteten Regeln
Viele Führungskräfte handeln nach einem veralteten Skript: Sei stark. Funktioniere. Sei für alle da.
Wer dieses Muster nie hinterfragt, lebt fremdgesteuert – und läuft irgendwann leer.
Der Wendepunkt beginnt mit der Erkenntnis: Gesunde Führung lebt nicht von Überforderung, sondern von Selbstführung, Klarheit und innerer Stabilität.
Ursachen: Was in den Burnout führt
Burnout ist kein Zeichen persönlicher Schwäche, sondern ein Warnsignal. Die häufigsten Risikofaktoren für Führungskräfte sind:
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Chronische Überlastung ohne Ausgleich
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Perfektions- und Kontrollbedürfnis
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Fehlende emotionale Unterstützung
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Unklare Rollenerwartungen
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Kein Raum für Reflexion und Selbstfürsorge
Die Folge: Man führt, entscheidet und organisiert – während man innerlich erschöpft.
Die Wirkung von Führungskräften überträgt sich auf das Unternehmen
Überlastete Führungskräfte wirken nicht isoliert, sie prägen das ganze System. Stress, Gereiztheit oder Unkonzentriertheit übertragen sich auf Teams, Stakeholder und Kultur. Stress verhält sich wie ein Virus.
Umgekehrt wirken gesunde, reflektierte Führungskräfte als kulturelle Verstärker: Sie schaffen Klarheit, setzen Grenzen vorbildlich und ermöglichen Resilienz im Team.
Studien belegen: Psychologische Sicherheit, Innovationskraft und Mitarbeiterbindung steigen messbar, wenn Führungskräfte emotional stabil sind.
Gute Beispiele aus Firmen
Mehrere Konzerne zeigen, wie Selbstfürsorge zur Führungsaufgabe wird:
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SAP: Mindfulness-Programme und Führungskräfte-Coachings.
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Deutsche Telekom: „Tiny Habits“ für Achtsamkeit im Alltag.
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Volkswagen: Strategien für gesunde Führung im Industrieumfeld.
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Google: „Search Inside Yourself“ – Training emotionaler Intelligenz.
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Microsoft: „Energy & Wellbeing Toolkits“ für psychologische Sicherheit.
Diese Beispiele machen klar: Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern Teil der Jobbeschreibung.
Verantwortung für die eigene Führung: Wer macht’s?
Organisationen müssen Rahmen schaffen – durch realistische Ziele, Weiterbildung, offene Kultur und Erholungsangebote.
Doch Selbstführung bleibt keine delegierbare Aufgabe.
Führungskräfte selbst müssen für Klarheit, Stabilität und Grenzen sorgen. Das beginnt bei Fragen wie:
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Wie ernst nehme ich meine eigenen Grenzen?
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Spreche ich offen über Belastung?
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Plane ich aktiv Erholung ein?
Selbstfürsorge ist mehr als eine persönliche Entscheidung. Sie ist ein kulturelles Signal.
Drei Tipps für effektive Selbstführung
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Grenzen definieren – Klarheit entlastet.
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Regeneration einplanen – Pausen sind Pflicht, nicht Kür.
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Offen sprechen – Machen Sie Resilienz zum Thema.
Fazit: Selbstführung bedeutet Verantwortung
Gute Führung beginnt bei einem selbst. Wer dauerhaft im Autopilot-Modus arbeitet, verliert den Kontakt zu sich – und früher oder später zu seinem Team. Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern ein Akt der Klarheit.
Wer führen will, muss sich selbst ernst nehmen – mindestens so sehr wie seine Aufgaben.

Selbstführung und klare Kommunikation sind Grundlage erfolgreicher Führung. Foto: GSA
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Ihr Nikolai A. Behr
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Dr. Nikolai A. Behr CSP® ist Keynote Speaker, Kommunikationsexperte und Medientrainer für Führung, Vertrauen und empathische Kommunikation in Zeiten von Wandel und KI.
