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Krisenkommunikation in der Führung scheitert selten an einer falschen Aussage. Sie scheitert am Schweigen davor. Wenn Unternehmen unter Druck geraten, warten viele Führungskräfte zunächst ab – um Fakten zu prüfen, Zuständigkeiten zu klären, Fehler zu vermeiden. Das ist menschlich verständlich. Kommunikativ ist es jedoch ein Fehler, der sich kaum korrigieren lässt.

Schweigen ist keine neutrale Entscheidung

Wer in einer Krise nichts sagt, verhindert damit keine Kommunikation. Er überlässt sie anderen. Während intern noch abgestimmt wird, entstehen längst eigene Erzählungen: im Flurfunk, in Chatgruppen, bei Kunden, in sozialen Medien und in der Presse. Schweigen wird dabei nicht als Sorgfalt wahrgenommen – sondern als Unsicherheit, Kontrollverlust oder fehlende Führungsstärke.

Gute Krisenkommunikation bedeutet deshalb nicht, sofort alles zu wissen. Sie bedeutet, Unsicherheit professionell zu führen.

Krisenkommunikation Führung: Drei Ebenen, die jede Erstreaktion braucht

In Krisen liegen selten sofort alle Informationen vor. Führungskräfte müssen deshalb nicht so tun, als hätten sie bereits jede Antwort. Sie müssen jedoch drei Dinge klar kommunizieren: was bekannt ist, was noch geprüft wird – und wann die nächste Information folgt.

Ebene 1: Fakten klar benennen

Sagen Sie, was gesichert ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Spekulationen, Beschönigungen und vorschnelle Schuldzuweisungen schwächen die Glaubwürdigkeit dauerhaft. Eine belastbare Formulierung könnte lauten: „Wir können derzeit bestätigen, dass es zu einem sicherheitsrelevanten Vorfall gekommen ist. Die betroffenen Systeme wurden isoliert. Die Analyse läuft.“ Sachlich, handlungsorientiert, vertrauensbildend.

Ebene 2: Haltung zeigen

Menschen beobachten in Krisen nicht nur, was Führungskräfte sagen – sie beobachten, wie sie reagieren. Übernehmen sie Verantwortung? Zeigen sie Präsenz? Nehmen sie Sorgen ernst? Haltung bedeutet dabei nicht, sofort Schuld einzugestehen. Es bedeutet, Verantwortung für den Umgang mit der Situation zu übernehmen – sichtbar und glaubwürdig.

Ebene 3: Den nächsten Schritt konkret benennen

„Wir melden uns, sobald wir mehr wissen“ reicht nicht. Dieser Satz ist unverbindlich und schafft keine Orientierung. Wirkungsvoller ist ein konkreter Zeitpunkt: „Wir informieren Sie spätestens um 16 Uhr über den aktuellen Stand.“ Damit entsteht Verlässlichkeit – und Verlässlichkeit schafft Vertrauen.

Ein Mann im Anzug steht mit verschränkten Armen in einem Konferenzraum in einem Hochhaus und blickt durch die großen Fenster auf die bewölkte Skyline der Stadt. Auf dem Tisch liegen Unterlagen, ein Laptop und ein Glas Wasser

In Krisen entscheidet nicht die schnellste Reaktion, sondern die Klarheit der Kommunikation. Foto: DALL·E by DIKT

Mit dem G.A.M.E.-Code strukturiert durch die Krise

Krisenkommunikation wird dann wirkungsvoll, wenn sie nicht aus spontanen Einzelreaktionen besteht, sondern einem klaren Prinzip folgt. Der G.A.M.E.-Code bietet dafür eine bewährte Struktur:

  • G – Goal: Was soll die Kommunikation erreichen? Beruhigung, Orientierung, Vertrauenssicherung?
  • A – Analysis: Wen sprechen Sie an? Was weiß diese Zielgruppe bereits – sachlich und emotional?
  • M – Message: Was ist die eine Kernbotschaft, die verstanden und erinnert werden soll?
  • E – Extras: Welche Fakten, Zahlen oder nächsten Schritte stützen diese Botschaft?

Gerade unter Druck ist dieses Vorgehen entscheidend. Denn Krisenkommunikation in der Führung darf nicht nur korrekt sein – sie muss wirksam sein.

Die ersten 60 Minuten entscheiden

Die erste Stunde einer Krise prägt die gesamte Wahrnehmung. Fünf Schritte helfen dabei, diese Phase professionell zu gestalten:

  1. Kommunikationsziel festlegen – bevor die erste Aussage getroffen wird.
  2. Gesicherte Fakten von Annahmen trennen – konsequent und transparent.
  3. Eine verantwortliche Stimme bestimmen – Krisenkommunikation braucht ein klares Gesicht.
  4. Eine kurze Erstinformation veröffentlichen – auch wenn noch nicht alles bekannt ist.
  5. Einen festen Zeitpunkt für das nächste Update nennen – Verbindlichkeit schafft Orientierung.

In der Praxis scheitern Unternehmen häufig nicht am fehlenden Willen, sondern an unklaren Zuständigkeiten, zu vielen Freigabeschleifen und der Angst, sich zu früh festzulegen. Doch wer auf vollständige Sicherheit wartet, kommuniziert meist zu spät.

Kommunikation ist in Krisen kein Begleitprozess. Sie ist ein Führungsinstrument. Führungskräfte müssen dabei nicht die schnellste Antwort geben – aber sie müssen die klarste Orientierung bieten. Denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass eine Krise perfekt kontrolliert wird. Es entsteht dadurch, dass Menschen erkennen: Hier übernimmt jemand Verantwortung, kommuniziert ehrlich und benennt einen nachvollziehbaren nächsten Schritt.

Wie klar ist in Ihrem Unternehmen geregelt, wer in den ersten 60 Minuten einer Krise kommuniziert – und mit welchem Ziel?

Dr. Nikolai A. Behr, Geschäftsführer der DIKT GmbH

Ihr Nikolai A. Behr