Kanzlerin Merkel im TV-Duell: Warum ihre nonverbalen Signale Kompetenz und Glaubwürdigkeit vermitteln

Posted by DIKT GmbH | 5. September 2017

Nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz fanden laut Infratest dimap 55% der befragten Zuschauer am Ende Angela Merkel überzeugender. Milena Hardt ist beim DIKT Stimm- und Sprechtrainerin. Sie erklärt, welche nonverbalen Signale die Kanzlerin einsetzte. Und warum Körpersprache, Stimme und Sprechweise beim Zuschauer entscheidend für die Einschätzung von Kompetenz und Glaubwürdigkeit sind.

Körperhaltung: Sichtbare Signale
Expertin Hardt: „Grundlegender Aspekt der Körpersprache ist der Körperstand. Ein Redner, dessen Oberkörper unruhig seitlich hin und her schwankt, wird vom Zuhörer meist als unsicher wahrgenommen. Denn der Zuschauer selbst wird dadurch unruhig. Zudem kann dieses Verhaltensmuster den Hörer von der inhaltlichen Botschaft ablenken. Bei Martin Schulz war in der ersten Hälfte des Duells ein eher unruhiger Oberkörper zu beobachten, der zudem durch die nahe Kameraeinstellung noch stärker ins Gewicht fiel. Angela Merkel hingegen unterstützte ihre Aussagen lediglich mit bestätigenden Kopfbewegungen und etwas Gestik – der Oberkörper blieb beim Sprechen ruhig. Dies signalisiert zunächst eine größere Grundruhe und Sicherheit im allgemeinen Auftreten. Merkel agiert dadurch im sogenannten Hochstatus, der mit weniger, aber dafür kontrollierten Bewegungen auskommt.“

Sprechweise: Hörbare Signale
Wenn wir zusätzlich die reine Sprechweise eines Redners betrachten, dann handelt es sich hier um Parameter wie beispielsweise die Sprechgeschwindigkeit, Lautstärke, Intonation und Pausen.
„Eine optimale Wirkung auf den Zuhörer wird durch eine angemessene Geschwindigkeit und Lautstärke sowie strukturierende Pausen nach Sinnschritten erzielt“, sagt Stimmtrainerin Milena Hardt, die seit zehn Jahren Manager und Politiker für deren Auftritte schult. „Die Pausen geben dem Hörer die Gelegenheit, die gehörten Inhalte besser zu verarbeiten und zu behalten. Angela Merkels Sprechgeschwindigkeit war insgesamt deutlich langsamer als die von Martin Schulz. In der Befragung wurde dies unter Umständen als weniger angriffslustig gewertet, ihre Aussagen kamen aber dadurch in jedem Fall ruhiger, akzentuierter und sicherer rüber. Die kleinen Pausen, die bei ihr immer wieder entstanden, halfen zusätzlich beim Verständnis ihrer Inhalte. Bei Martin Schulz fehlten diese Pausen über weite Strecken, da die Sätze oftmals nahtlos aneinandergereiht waren.“

Tonhöhe: Klare Signale für Glaubwürdigkeit
DIKT-Trainerin Hardt weiter: „Auch senkte er zum Satzende hin seine Stimme seltener ab als Angela Merkel. Das Absenken der Stimme, also ’auf den Punkt zu sprechen’, ist einer der wichtigsten Aspekte der Intonation. Diese sogenannte Stimmsenkung – die Tonhöhe mit dem letzten Wort eines Satzes absinken zu lassen – hat eine enorme Auswirkung auf den Eindruck der Glaubwürdigkeit einer Aussage. Wird nicht auf den Punkt gesprochen, erlebt der Zuhörer eine Aussage als Frage und stellt diese Aussage damit in Zweifel. Angela Merkel verstärkte durch vermehrte Stimmsenkungen den Höreindruck, dass es sich bei ihren Aussagen um unverrückbare Fakten handelt.“

Satzbau: Unterschwellige Signale
Hinzu kommen laut Milena Hardt noch weitere wichtige Elemente, die unter Sprachstil verortet werden: Die durchschnittliche Satzlänge beispielsweise. Sind die Sätze kurz und knackig oder werden lange Schachtelsätze gebildet? Hier gilt: Kürzere Sätze können besser aufgenommen und verstanden werden. Im Duell fiel auf, dass Angela Merkel vor allem in der ersten Hälfte kürzere Sätze bildete, als Martin Schulz.

Stimm-Expertin Milena Hardt fasst zusammen: „Die genannten Kriterien sollten nicht unterschätzt werden, denn sie haben einen großen Einfluss darauf, wie überzeugend eine Aussage beim Anderen ankommt. Der Zuhörer nimmt sie in der Regel unbewusst wahr und wertet sie ebenso unbewusst aus. Sie prägen den Gesamteindruck allerdings entscheidend mit. Es lohnt sich also, sein eigenes Sprechverhalten zu kennen und in Bezug auf die Außenwirkung bewusst zu steuern!“

In einem maßgeschneiderten Stimm- und Sprechtraining kann die eigene Stimme und Sprechweise so geschult werden, dass jeder die wichtigsten Werkzeuge gezielt einsetzen kann, um damit eine optimale Außenwirkung zu erzielen. Dafür ist Milena Hardt, die neben ihrer Schauspielausbildung einen Master in Sprechwissenschaften, Sprecherziehung und Rhetorik sowie ein Zusatzstudium in Internationaler Rhetorischer Kompetenz vorweisen kann, die ideale Trainerin.

Foto: RTL

Kontakt für Anfragen und Buchungen:
Laura Pfirrmann
Tel. 089/80033450
office@medientraining-institut.de

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