DIKT-Experte zum Kanzlerduell: Warum die Taktik von Martin Schulz aufging – und er am Ende scheiterte

Posted by DIKT GmbH | 4. September 2017

Im Kanzlerduell vergangenen Sonntag ging es um eine Frage: Was kann und sollte ein Kandidat tun, den viele schon als Verlierer sehen? Was muss er zeigen, damit die Mehrheit sagt: „Der kann Kanzler!“ Oder übersetzt in die Welt des Managers: „Der kann führen!“ DIKT-Trainer Matthias Dezes erklärt die Strategie des Kandidaten Martin Schulz im Duell gegen Kanzlerin Merkel aus der Sicht eines Interview- und Statement-Spezialisten.

Martin Schulz zeigte laut Dezes immer wieder klar, dass er kämpfen und Position beziehen kann. Bestes Beispiel: Schulz’ Forderung nach einem Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. So brachte er die Kanzlerin in Bedrängnis. Sie wolle „mit den Kollegen noch einmal reden, ob wir die Verhandlungen nicht doch abbrechen können“, sagte Merkel, als Schulz nicht locker ließ. Dezes: „Dem Gegner die eigene Position aufgedrängt, das ist Führung – nicht nur in der Politik. Klarer Punkt für Herausforderer Schulz!“
Weitere Schulz-Taktik: Den Gegner mit seinen eigenen Aussagen kalt erwischen. „Brillant, wie Schulz Kanzlerin Angela Merkel stellte, als sie ein Wahlversprechen abgab: keine Rente mit 70, wie vom CDU-Wirtschaftsrat ins Spiel gebracht. Daraufhin konnte Schulz die Kanzlerin festnageln und erinnert daran, dass sie vor vier Jahren das Versprechen abgegeben hatte, keine Autobahn-Maut einzuführen“, sagt Experte Dezes.
Seine vermeintliche Sicherheit konnte Schulz jedoch nicht durch seine Körpersprache unterstreichen: Das überdeutliche Hin- und Herschwanken von einem Bein aufs andere signalisierte dem Zuschauer, dass hier eher „ein Getriebener“ steht. Zugegeben: 97 Minuten lang in einem TV-Studio zu stehen und hoch konzentriert eine Debatte um alles oder nichts zu führen, ist anstrengend. Aber wenn die Kanzlerin ruhig stehen bleiben kann, dann sollte das ihrem Herausforderer auch gelingen.

Abschluss-Statement: Das Bessere ist gefragt
Im Wettbewerb um ein Spitzenamt, eine Top-Position oder ein herausragendes Mandat kommt es auf drei Dinge an: Den Willen, zu gewinnen. Dann Ausdauer und Härte, um diesen Willen durchzusetzen. Und schließlich die Fähigkeit, sich und sein Angebot als die beste Alternative zu präsentieren.
Für letzteren Punkt ist das Abschluss-Statement die Chance für den Kandidaten, in konzentrierter Form zu sagen, warum die Leute ihn wählen sollen. Und Martin Schulz? Dezes: „Was er sagte, war klug und einprägsam. Er sprach in Metaphern über Gerechtigkeit und politischen Mut und bat die Wähler um Vertrauen. Alles richtig und erstklassig formuliert. Doch Merkel präsentierte ihre Agenda. So konnte der Zuschauer den Eindruck gewinnen: Martin Schulz meint das Richtige. Angela Merkel tut das Richtige.“ Für Schulz hätte dagegen das Ziel lauten sollen: Angela Merkel tut das Richtige – Schulz wird das Bessere tun. Chance vertan…

Matthias Dezes ist gelernter Wirtschaftsjournalist und berät seit rund 20 Jahren CEOs und Geschäftsführer vor allem in der Finanz-, Kanzlei- und Automobilbranche. Sein Trainingsprogramm umfasst auch die Vorbereitung auf Pressekonferenzen und Interviews, auf IPOs und Analystenkonferenzen. Seine Impulsvorträge „Wie die Medien arbeiten“ und „Warum Manager in politische Talkshows gehen sollten“ werden für Firmen-Events regelmäßig gebucht.

Foto: ARD

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