Trumps Aussagen als Lehrstück für „Manipulative Rhetorik“ – Einblicke ins Rhetoriktraining

Posted by DIKT_GS | 21. August 2017

DIKT-Rhetoriktrainerin Tanja Faust analysiert: Ablenken, verschleiern und verharmlosen – nach der Gewalt in Charlottesville greift Donald Trump tief in die Kiste bedenklicher Diskussionstricks.

Eine Mehrheit von Neonazis mit hochgereckten Armen und antisemitischen Gesängen bezeichnet Donald Trump als sehr legal Protestierende, unter denen viele „fine people“ gewesen seien. Die Demonstration der Rechtsextremen war angemeldet, das ist richtig. Die Bemerkung aber, sie sei rechtskonform gewesen, wird im Zusammenhang mit einem tödlichen Attentat auf eine friedliche Gegendemonstrantin zu einem Werkzeug der Verharmlosung. Nicht gelogen und trotzdem falsch. Diese und weitere Antworten des US-Präsidenten im Rahmen einer Pressekonferenz irritieren. Sie sind allerdings trickreich rhetorisch ausgewählt.

Verantwortungsbewusste Redner fragen sich oft, ob rhetorische Mittel – etwa durch ein Rhetoriktraining vermittelt – nicht generell manipulierend und damit bedenklich sind. Tanja Faust, Redenschreiberin von Firmenlenkern und Spitzenpolitikern, sagt dazu: „Die Absicht ist entscheidend!“ Also: Dient die Argumentation der Wahrheitsfindung? Oder geht es jemandem hauptsächlich um die Gunst des Publikums? Will er vielleicht mit allen Mitteln als derjenige erscheinen, der Recht hat? „Ein Blick auf rhetorische Argumentationsstrategien hilft bei der Klärung der Absicht“, sagt Tanja Faust, die als DIKT-Trainerin Teilnehmer für Reden und Präsentationen schult.

Arthur Schopenhauer hat eine ganze Reihe erlaubter und unerlaubter Kunstgriffe gesammelt und in eine Trickkiste namens „Eristische Dialektik“ gelegt. Einige dieser Kniffe finden sich in Trumps Aussagen zu den Ereignissen in Charlottesville wieder und sie lassen tief blicken. Hier sind vier Beispiele:

1. “Unklare Faktenlage”

Die erste Frage zum Thema Charlottesville in der Frage-Antwort-Session mit den Journalisten lautete, warum er so lange mit einem umfassenden Statement gewartet habe. Trump antwortet: „Ich habe nicht lange gewartet […] Es dauert eine Weile, um die Fakten zu bekommen. […] Ich kannte nicht alle Fakten. Und ganz ehrlich, die Leute kennen immer noch nicht alle Fakten.“

Selbstverständlich ist es wichtig, auf der Basis von Fakten zu urteilen. Was Trump sagt, klingt logisch, ist aber doch ein Trick. Denn es geht hier kaum um die Gesamtheit aller Fakten, es geht um das Wesentliche. Und das Wesentliche konnte man an Hakenkreuzfahnen und Hitlergrüßen und tödlicher Gewalt aus diesen Reihen leicht erkennen.

Welche Technik wendet Trump an? Er antwortet zunächst mit einem Satz, für den er nicht mit Zugeständnis rechnen kann. Um Zustimmung zu erlangen, stellt er eine weitere Behauptung auf, die für sich betrachtet wahr ist und im Zusammenhang überzeugend klingt. Hier ist der Trick: Wenn der Gegner die zweite Behauptung zugesteht, soll damit die erste bewiesen sein. Schopenhauer nennt das eine Finte.

2. „Sie können es nennen, wie Sie wollen“

Auf die Frage „War das Terrorismus?“, antwortet Trump: „Sie können es Terrorismus nennen. Sie können es Mord nennen. Sie können es nennen, wie Sie wollen. […] Das geht in juristische Wortbedeutungen. Der Fahrer des Wagens ist ein Mörder.“

„Es nennen, wie Sie wollen“ macht das terroristische Attentat zu einer Definitionsfrage. Und Trump liefert seine persönliche Definition gleich hinterher. Erst spricht er von juristischer Uneindeutigkeit, um gleich den Fahrer als Mörder zu bezeichnen. Ein Mörder aber handelt meist allein, während zu terroristischen Taten ein mitschuldiges Umfeld gehört. Das isoliert den Täter und löst die Gruppe der Rechtsextremen aus ihrer Verantwortung.

3. „Akt des Widerstands“

Noch fragwürdiger ist dieses Bild, das in einem Nebensatz folgt: Es habe sich bei der Demonstration der Rechtsradikalen um einen „Akt des Widerstands“ gegen die Demontage einer Statue gehandelt. Welche Technik wendet Trump an? Bewertungen können durch die geschickte Wahl des Begriffs – hier „Widerstand“ – vorweggenommen werden. Statt Lobbyist sagt man Verbandsvertreter, statt Terrorist sagt man Freiheitskämpfer. Damit schiebt man eine eigentlich erst zu beweisende Behauptung klammheimlich den Prämissen zu. Schopenhauer nennt das eine Inanspruchnahme des Beweisgrundes.

4. „Definieren Sie Alt Right!“

Auf die Frage nach der Alt-Right-Gruppe in Verbindung mit der Gewalt in Charlottesville sagt er: „Wenn Sie sagen ‚Alt Right‘. Definieren Sie ‚Alt Right‘ für mich. Sie definieren. Machen Sie mal. Na los“.

Trump weiß natürlich genau, was Alt Right ist: Mit Steve Bannon hat er den mächtigsten Vertreter des rechtsextremistischen bis neonazistischen Alt-Right-Umfelds ins Weiße Haus geholt. Hier tut er so, als gäbe es Definitionsschwierigkeiten. Damit wird die Gruppierung weniger greifbar und ist schwieriger zur Verantwortung zu ziehen.

Welche Technik wendet Trump an? Er rückt einfach einen anderen Aspekt des Themas in den Vordergrund und fordert eine Erläuterung. Sollen unangenehme Fragen aus dem Fokus gedrängt werden, hilft ein Ablenkungsmanöver, mit dem man den Gegner von einer unerwarteten Seite angreift. Den Kunstgriff der Ablenkung hält Schopenhauer für weit verbreitet.

Hätten Sie die Techniken erkannt? Genaues Hinhören ist notwendig, um rhetorische Kunstgriffe zu durchschauen, unerlaubte Mittel zu erkennen, falsche Absichten zu enttarnen und eine Diskussion auf die Wahrheit auszurichten. Schopenhauer hat seinen Kunstgriffen zwar jeweils eine Maßnahme zur Gegenwehr an die Seite gestellt. Es gebe aber nur eine einzige sichere Gegenregel, die wiederum von Aristoteles stamme. Der empfiehlt Folgendes: Nicht mit dem Erstbesten diskutieren, sondern nur mit Partnern, von denen man weiß, dass sie Verstand genug besitzen, nichts allzu Absurdes vorzubringen. Nur so werde mit Argumenten diskutiert und nicht um die Gunst eines Publikums gestritten.

Argumentations-Expertin Faust: „Für jeden Redner gilt: Vorsicht mit der Rhetorik! Wer scharfe Werkzeuge ungeübt oder ohne vorheriges Training benutzt, kann sich damit auch selbst verletzen.“

Rhetoriktrainings (http://www.medientraining-institut.de/unsere-trainings/) mit Tanja Faust, die alle Besonderheiten und Regeln beinhalten, können beim DIKT gebucht werden unter:

office@medientraining-institut.de

Tel.: +49-89-80033450

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