Scaramucci-Affäre: Wie viel Vertraulichkeit dürfen Interviewte bei Hintergrundgesprächen von Journalisten erwarten?

Der kurzzeitige Kommunikations-Chef von Donald Trump, Anthony Scaramucci stolperte über unflätige Beschimpfungen gegen „Kollegen“ im Weiße Haus – die er gegenüber Journalisten äußerte. Was die Frage aufwirft, wann ein Gespräch oder Interview „vertraulich“ ist und wann Medien es veröffentlichen dürfen.

Vorweg: Scaramucci hat keine Ahnung von den Vertraulichkeits-Spielregeln im Umgang mit Journalisten. Diese Regeln sind nämlich in den USA die gleichen wie in Deutschland und Europa. Jeder Pressesprecher kennt sie. Jeder Politiker ab dem Abgeordneten-Level auch. „Bei Wirtschaftsbossen, die noch nicht viel Presseerfahrung haben oder bisher nur als Schönwetter-Kapitäne unterwegs waren, herrscht da schon mal Unklarheit, die wir in unseren Medientrainings schnell beseitigen“, sagt DIKT-Geschäftsführer Gunther Schnatmann.

Scaramucci hatte zuerst von sich aus der Zeitschrift „Politico“ erzählt, er wolle Vize-Pressesekretär Michael Short feuern. „Politico“ meldet die Geschichte. Das störte Scaramucci, er macht der Presse Vorwürfe, weil sie die Geschichte veröffentlicht hatte. Beim entscheidenden Fehltritt hatte er Reporter Ryan Lizza vom „New Yorker“-Magazin angerufen.
Dabei ging es um ein geheimes Abendessen Scaramuccis im Weißen Haus mit dem Trump-Ehepaar und Personen aus dem Fox-News-Umfeld. Dabei rastete Scaramucci aus und bezeichnete u.a. den Stabs-Chef des Weißen Hauses als „paranoiden Schizophrenen.“ Hinterher lamentierte er, dass Lizza mit der Veröffentlichung der Schimpftiraden die „Vertraulichkeit“ gebrochen habe.

Fakt ist: Ein vertrauliches Gespräch gilt nur dann als vertraulich, wenn sich beide Seiten – Journalist und Informationsgeber – klar und deutlich auf die Vertraulichkeit verständigt haben. Möglichst schriftlich oder unter (vertrauenswürdigen) Zeugen wie Pressesprechern. Wer das nicht vereinbart, sondern munter drauflos redet, kann nicht automatisch Vertraulichkeit erwarten.

Die offizielle Vertraulichkeit hat dabei noch Abstufungen, wie sie zum Beispiel in der Satzung der Bundespressekonferenz festgeschrieben sind. Dort heißt es:
„Die Mitteilungen auf den Pressekonferenzen erfolgen:
▪ unter 1: zu beliebiger Verwendung
▪ unter 2: zur Verwertung ohne Quelle und ohne Nennung des Auskunftsgebenden
▪ unter 3: vertraulich.“
Im Klartext: Journalisten wissen, was es heißt, wenn der Informationsgeber ihnen sagt, dass er jetzt etwas „unter 3“ erzählt. Dann ist dies nur Hintergrundinformation zur Einordnung eines Sachverhalts, darf nicht veröffentlicht werden und der Informationsgeber darf in dem Zusammenhang nicht genannt werden.

DIKT-Geschäftsführer Dr. Nikolai A. Behr: „Wir raten unseren Kunden, Gespräche unter 3 nie mit Journalisten zu führen, die man nicht kennt. Für solche Gespräche sollte man seinen Ansprechpartner und seine Seriosität, ob er die Vertraulichkeit auch wirklich einhält, gut kennen!“ Scaramucci hat alle diese Regeln nicht beachtet und Foto CNN.pngist entsprechend in die „Ich dachte“-Falle geraten. Nur wer weiß, wie Vertraulichkeit konkret funktioniert, sollte kritische Informationen weitergeben. Oder ansonsten lieber schweigen.

Medientrainings, die alle Besonderheiten und Regeln im Umgang mit Journalisten beinhalten, können beim DIKT gebucht werden unter:

office@medientraining-institut.de

Tel.: +49-89-80033450

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